Die Geschichte

Die Entwicklung der Sozialdemokratie in Erbach

Am 23. Mai 1863 begann in Leipzig die Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland. Diese Sozialdemokraten, die sich für die Arbeiter und soziale Gerechtigkeit einsetzten, wurden damals als Staatsschädlinge verketzert und mit dem Schimpfwort "Sozen" bedacht.

1902, im Gründungsjahr der Erbacher SPD, sah die Welt der kleinen Leute recht trist aus. Es gab weder einen Acht-Stunden-Tag, noch Tarifabschlüssen, Urlaub oder soziale Sicherung. Im Dreiklassenwahlrecht war die Arbeiterschaft aus der politischen Willensbildung praktisch ausgeschlossen. Die Gründerväter der Erbacher SPD hatten es auch nicht einfach. Bereits sechs Wochen nach der Gründung wurde ihnen das Lokal gekündigt und sie trafen sich fortan unter Freiem Himmel auf dem Schöllenberg und in Stockheim.

Erst 1903 erhielten sie für diesen Zweck einen Nebenraum im Gasthaus "Zur Sonne". Trotz aller Widerstände beteiligten sie sich 1904 an den Gemeindewahlen. Der Arbeiterverein "Vorwärts" und die Freie Turnerschaft wurden gegründet, und mit kulturellen und sportlichen Initiativen gelang es der SPD, die einfachen Leute zu interessieren und politisch zu mobilisieren. Es folgte die Gründung eines Gewerkschaftskartells.

1907 hatten die Sozialdemokraten drei Mandaten im Erbacher Rathaus.

1911 nominierten sie den Vater des späteren Michelstädter Bürgermeisters Erwin Hasenzahl für den Reichstag und gewannen die Stichwahl.

Nach dem ersten Weltkrieg bestimmten die Sozialdemokraten die Geschicke der Stadt. Von 1919-1933 war Wilhelm Dengler der demokratisch gewählte SPD-Bürgermeister. In seiner Amtszeit entstand 1924 das Alexanderbad, 1928 der Sportpark und die Erbacher Wohnungsbaugesellschaft. Auch setzte er sich für Gewerbe und Landwirtschaft ein.

1933 enthoben ihn die Nationalsozialisten seines Amtes und internierten ihn für lange Zeit im KZ Osthofen. Im Juli 1944 wurde er erneut verhaftet, kam ins Gefängnis in Darmstadt und schließlich ins KZ Dachau, ein Schicksal, das weitere aktive Sozialdemokraten in Erbach und Michelstadt mit ihm teilten.

1945 setzten die Amerikaner Dengler als kommissarischen Bürgermeister ein und vor weitere linksstehende Bürger als Gemeinderäte. Ein Jahr später wurde Leonhard Volk zum Bürgermeister gewählt, Jakob Stock begleitete das Amt des ersten Stadtrats und Johann Walther wurde Ortsvereinsvorsitzender.

1960 wurde der SPD-Bürgermeisterkandidat Franz Radomicki abgelehnt und Werner Borchers von der ÜWG zum Stadtoherhaupt gewählt. In dieser Zeit entwickelte sich ein fruchtbares Miteinander aller im Parlament vertretenen Fraktion zugunsten der Stadt.

Strukturelle Veränderungen brachte 1972 die Gebietsreform: Aus ehemals selbstständigen SPD-Ortsvereinen wurden Ortsbezirke unter dem Dach des ganz Erbach und seine Stadtteile umfassenden Ortsvereins.

Nach Bürgermeister Borchers Tod 1987 wurde Dieter Haver (CDU) sein Nachfolger, mit einer Stimme Mehrheit vor SPD-Kandidat Werner Wacker in einer äußerst bemerkenswerten Wahl.

1994 mit der ersten Bürgermeister-Direktwahl kam mit Uwe Hartmann wieder ein SPD-Mann an die Spitze und der Partei gelang 1997 ihr größter Kommunal-Wahlerfolg. Der Hessentag kam nach Erbach, was zwar gut war für das Image, aber die Stadtkasse stark belastete. Mit finanzieller Hilfe des Landes wurde die Werner-Borchers-Halle renoviert, ebenso die Bierhallen und das Elfenbeinmuseum. Auch der Neubau des Dorfgemeinschaftshauses Haisterbach gehört zu den Erfolgen der bislang letzten SPD-Mehrheit im Erbacher Parlament.

2000 wurde zum zweiten Mal der Bürgermeister in Erbach direkt gewählt. Der bisherige Bürgermeister Hartmann trat aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an. Von der Erbacher SPD wurde Willy Petri für die Wahl nominiert. In der Stichwahl setzte sich aber der, über die politischen Gruppierungen hinweg in Erbach beliebte, damalige evangelische Pfarrer und politische Quereinsteiger Harald Buschmann als parteiloser durch und wurde zum Bürgermeister gewählt. 2005 trat er in die CDU ein.

2001 bei der Gemeindewahl verlor die SPD in Erbach 9,0 % der Stimmen und wurde mit 35,4 % nur noch die zweite Kraft in der Erbacher Stadtverordnetenversammlung.

Bei der Gemeindewahl 2006 wurde die SPD in der Kreisstadt wieder stärkste Kraft und erreichte 37,9 % der Stimmen. Somit sind die Sozialdemokraten im Erbacher Stadtparlament mit 12 Sitzen vertreten. Zugleich sind 3 Mitglieder der Fraktion im Magistrat vertreten, wobei Günter Junker den Ersten Stadtrat stellt.

 
 

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